RLB Kunstpreis

RLB-Kunstbrücke, Innsbruck, 2020

Veronika Beringer schreibt in ihrem Statement über ihre Arbeiten, dass diesen die Faszination zugrunde liege, Teil eines großen komplexen Gefüges mit unzähligen Wahrscheinlichkeiten zu sein. Die Veränderung gehört dabei ebenso dazu wie die Suche nach Neuem und der Wunsch nach einer vollständigen Identität. So fügt sie in ihren Arbeiten anhang von Collagen (…) verschiedene Strukturen, Höhen und Oberflächen zusammen: Zeichnungen, Fundstücke wie etwa Fäden oder Ausschnitte von vermeintlich weiteren Bildern, die nicht vollständig zu sehen sind. Fragmente fungieren wie Sedimente oder Ablagerungen der Zeit in Schichten auf der Leinwand oder dem Papier, die Beringer zu einem größeren Ganzen zusammenwachsen lässt. Diese Ansammlungen oder Anhäufungen nehmen Bezug aufeinander oder verschmelzen miteinander — sie schaffen Neues, auch wenn dieses nichts Endgültiges, sondern nur einen vorübergehenden Zustand darstellt.

Mit den Titeln, die die Künstlerin ihren Bildern oftmals bereits während des Schaffensprozesses oder auch im Nachhinein gibt, versucht sie den Moment, in dem das Zusammengefügte sich zu etwas Neuem formt, festzumachen, so auch bei den beiden eingereichten Arbeiten Weaving and contaminating your sterile connections oder Where’s my head at? — zu Deutsch: wo steht mir gerade der Kopf? — zeigt sie eine solche Momentaufnahme, zusammengesetzt aus verschiedenen Elementen: Man sieht eine Malerei mit einem kopflosen, der Wand zugeneigten Körper, ein gemaltes Teilstück einer rissigen Mauer, in Grautönen gemalte, nach oben ringende Hände sowie einen Ausschnitt eines blau gemusterten Stoffes. Was man sieht, lässt nicht sofort erkennen, worum es geht; die Zusammenhänge ergeben sich durch die am Bild gearbeiteten Überlagerungen und lassen verschiedene Interpretationen der Betrachterin, des Betrachters zu. Genauso verhält es sich in der zweiten Arbeit, auf der eine Schnur mit vier Perlen vor klinisch-weißen Kacheln, die mit einem sterilen Umfeld assoziiert werden können, gezeigt wird. Es handelt sich hier um die Darstellung eines Verhütungsmittels: ein Porträt von Beringers eigener Kupferkette. Damit verweist sie darauf, dass auch nicht Sichtbares Auswirkungen auf unser im Wandel begriffenes Leben hat. Die beiden vorliegenden Arbeiten vermitteln einen sehr persönlichen Blick auf Erlebnisse und Erfahrungen der Künstlerin, die diese als Momentaufnahme in ihren Bildern festzuhalten versucht.

Text von Tanja Skorepa aus dem Katalog zur Ausstellung